Es gab eine Zeit, da glaubte ich an die Liebe.
Nicht an Rosen, Kerzenschein oder die groĂen Worte, die so leicht ĂŒber Lippen gleiten. Ich glaubte an das GefĂŒhl, das einen Menschen auffĂ€ngt, wenn die Welt auseinanderfĂ€llt. Ich glaubte daran, dass Liebe bleibt, wenn Schönheit vergeht, wenn Fehler sichtbar werden und wenn das Leben schwer wird.
Heute frage ich mich, ob ich nur an einen Traum geglaubt habe.
Denn das Wort Liebe wurde so oft missbraucht, dass es seinen Glanz verloren hat. Es wurde benutzt, um zu besitzen. Es wurde ausgesprochen, um zu tĂ€uschen. Es wurde versprochen, obwohl man lĂ€ngst wusste, dass man es niemals halten wĂŒrde.
Wie oft wurde Liebe verkauft, verraten und gegen Bequemlichkeit eingetauscht?
Wie oft wurde sie verbogen, bis aus Hingabe Berechnung wurde. Aus Vertrauen Kontrolle. Aus NĂ€he Distanz. Aus einem gemeinsamen âWirâ nur noch ein einsames âIchâ.
Man gibt sein Herz in die HĂ€nde eines Menschen und hofft, dass er es behĂŒtet. Stattdessen kommt es zurĂŒck â voller Risse.
Und irgendwann hört man auf, die Schuld bei den anderen zu suchen.
Man beginnt, an der Liebe selbst zu zweifeln.
Vielleicht ist sie nur eine Geschichte, die wir uns erzÀhlen, weil die Wahrheit zu schmerzhaft wÀre. Vielleicht brauchen wir den Glauben an sie, um nicht an der KÀlte dieser Welt zu zerbrechen.
Denn wenn man oft genug enttÀuscht wurde, wenn jedes Versprechen irgendwann zerfÀllt und jede Umarmung nur noch Erinnerung ist, dann stirbt nicht nur das Vertrauen in Menschen.
Es stirbt ein Teil unseres Glaubens.
Der Glaube daran, dass jemand wirklich bleibt.
Der Glaube daran, dass Ehrlichkeit mehr wert ist als Bequemlichkeit.
Der Glaube daran, dass ein Herz nicht irgendwann gegen etwas vermeintlich Besseres ausgetauscht wird.
Die gröĂte Wunde entsteht nicht durch das Gehen eines Menschen.
Sie entsteht in dem Augenblick, in dem man erkennt, dass all das, woran man geglaubt hat, vielleicht niemals existierte.
Und dochâŠ
Tief im Inneren weigert sich etwas zu sterben.
Ein kleiner Funke, der sich gegen alle Vernunft behauptet.
Die Hoffnung, dass es irgendwo da drauĂen noch Menschen gibt, die das Wort Liebe nicht leichtfertig benutzen. Menschen, die wissen, dass Liebe kein GefĂŒhl fĂŒr schöne Tage ist, sondern eine Entscheidung â gerade fĂŒr die schweren.
Doch vielleicht haben wir die Liebe die ganze Zeit am falschen Ort gesucht.
Vielleicht war sie niemals nur ein Wort zwischen zwei Menschen.
Vielleicht war sie immer viel gröĂer.
Vielleicht ist das gröĂte Nichts nicht das verlorene Herz, sondern das verlorene Erkennen.
Die Jahre vergehen, wĂ€hrend wir glauben, Liebe gesucht zu haben â und ĂŒbersehen doch, wie oft sie uns begegnet ist. In jedem Blick, der Vertrauen schenkte. In jedem stillen Wesen, das uns ohne Worte um Achtung bat. In jedem Augenblick, in dem MitgefĂŒhl wertvoller gewesen wĂ€re als Gewohnheit, Bequemlichkeit oder der eigene Vorteil.
Erst wenn das Leben sich seinem Ende zuneigt, begreift man vielleicht, dass Liebe niemals Besitz war und auch niemals nur das Verlangen nach einem anderen Menschen.
Liebe war immer die Art, wie wir allem begegnet sind, was mit uns diese Welt geteilt hat.
Wie wir mit Menschen umgingen.
Mit der Natur.
Mit jedem Lebewesen.
Und nicht zuletzt mit uns selbst.
Wer Liebe nur dort sucht, wo sie den eigenen BedĂŒrfnissen dient, wird ihr Wesen niemals erkennen. Denn wahre Liebe verlangt nichts. Sie sieht. Sie achtet. Sie schĂŒtzt. Sie verbindet.
Und vielleicht ist genau das die gröĂte Tragik unseres Lebens:
Dass wir oft erst am Ende erkennen, wie viele Gelegenheiten zur Liebe wir achtlos an uns vorĂŒberziehen lieĂen.
Nicht weil die Liebe verschwunden wÀre.
Sondern weil wir verlernt haben, sie in ihrer ganzen GröĂe zu erkennen.
Und so bleibt am Ende vielleicht nicht nur die Frage, wohin die Liebe gegangen ist.
Sondern wohin unser eigenes Leben gegangen wÀre, hÀtten wir verstanden, was Liebe wirklich bedeutet.
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