Eine alte Schutzformel zwischen christlichem Glauben, Volksmagie und der Angst vor dem Schwarzen Tod
Auf alten Medaillen, Kreuzen und kleinen Zetteln findet man manchmal eine rätselhafte Folge aus Kreuzen und Buchstaben:
+ Z D. + I. A. + B. L Z. + S. A. B. + Z. H. G. F. + B. F. R. S. +
Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine geheimnisvolle Beschwörung aus einem alten Zauberbuch. Tatsächlich handelt es sich um eine historisch überlieferte Schutzformel: den Zachariassegen.
Ein Schutz gegen die Pest
In Zeiten, in denen die Pest ganze Städte und Dörfer heimsuchte, suchten Menschen nicht nur bei Ärzten und Heilkundigen nach Hilfe. Gebete, geweihte Gegenstände, Segenszettel und Amulette sollten zusätzlichen Schutz bieten.
Der Zachariassegen gehörte zu diesen Mitteln. Eine historische Beschreibung aus dem Geistlichen Schild bezeichnet die Zeichen ausdrücklich als „Buchstaben gegen die Pest zu tragen“. Die Menschen sollten die Buchstaben bei sich tragen oder über einer Tür anbringen. Nach damaliger Vorstellung sollten dadurch sogar die Bewohner des Hauses vor der Pest bewahrt werden.
Im 17. und 18. Jahrhundert war der Zachariassegen weit verbreitet. Er erschien auf kleinen Kreuzen und Medaillen, wurde auf Papier geschrieben und gelegentlich mit anderen Schutzformeln wie dem Benediktussegen verbunden.
Was bedeuten die geheimnisvollen Buchstaben?
Das Faszinierende daran: Die Buchstaben waren ursprünglich keine bedeutungslosen magischen Zeichen.
Sie sind Abkürzungen längerer lateinischer Gebete, Bibelstellen und Anrufungen. Eine historische Untersuchung beschreibt beispielsweise:
Z – „Zelus domus tuae liberet me“
Sinngemäß:
„Der Eifer für dein Haus möge mich befreien.“
Ein weiteres Zeichen steht für die Bitte:
„Kreuz Christi, rette mich!“
Andere Buchstaben beziehen sich auf Bitten wie:
„O Gott, mein Gott, vertreibe die Pest.“
oder:
„In deine Hände, Herr, empfehle ich meinen Geist.“
Die vollständige Buchstabenfolge bildete damit eine Art komprimiertes Schutzgebet.
Warum wirkte die Formel so geheimnisvoll?
Für viele Menschen waren die lateinischen Ausgangstexte vermutlich kaum noch verständlich. Übrig blieben Kreuze und rätselhafte Buchstaben.
Gerade dadurch konnte sich ihre Bedeutung verändern.
Was ursprünglich aus christlichen Gebeten und Bibelversen zusammengesetzt war, bekam zunehmend den Charakter einer magischen Zeichenfolge. Die geheimnisvollen Buchstaben selbst wurden als wirksam angesehen.
So bewegte sich der Zachariassegen an einer faszinierenden Grenze zwischen Religion, Volksglauben und Magie.
Der Segen wurde am Körper getragen
Archäologische und volkskundliche Funde zeigen, dass solche Schutzzeichen tatsächlich benutzt wurden.
Bei Baden-Baden wurde beispielsweise ein kleines, stark oxidiertes Kreuz gefunden, auf dem sich noch Zeichen des Zachariassegens erkennen ließen.
Bei Sinzheim fand man außerdem zusammen mit einem Münzschatz eine bronzene Medaille, die sowohl den Zacharias- als auch den Benediktussegen trug. Die jüngste Münze dieses Fundes stammte aus dem Jahr 1694.
Andere Überlieferungen berichten von Zachariassegen auf Papierstreifen, an Gebäuden, Türen oder auf Medaillons.
Man trug den Schutz also buchstäblich am eigenen Körper oder brachte ihn am Haus an.
Ein Zauberspruch oder ein Gebet?
Aus heutiger Sicht ist gerade diese Frage besonders interessant.
Der Zachariassegen war ursprünglich stark christlich geprägt. Trotzdem wurde er bereits im 17. Jahrhundert von manchen Theologen kritisch betrachtet, weil die Menschen den Buchstaben selbst eine übernatürliche Schutzwirkung zuschrieben.
Damit wurde aus einem Gebet etwas, das aus Sicht seiner Benutzer fast wie ein Amulett oder Zauberzeichenfunktionieren konnte.
Der Zachariassegen zeigt deshalb eindrucksvoll, wie fließend die Grenzen zwischen Glaube, Aberglaube, Schutzmagie und Volksfrömmigkeit in früheren Jahrhunderten sein konnten.
Die geheimnisvolle Formel
Noch einmal die überlieferte Variante aus einer Quelle des 18. Jahrhunderts:
+ Z D. + I. A. + B. L Z. + S. A. B. + Z. H. G. F. + B. F. R. S. +
Andere historische Exemplare zeigen leicht abweichende Schreibweisen, etwa DIA, BIZ oder geringfügige Veränderungen am Ende. Das ist bei solchen über Jahrhunderte weitergegebenen Schutzformeln nicht ungewöhnlich.
Ein kleines Fenster in eine andere Zeit
Heute schützt eine solche Buchstabenfolge selbstverständlich nicht vor Infektionskrankheiten. Historisch erzählt sie uns aber etwas sehr Menschliches.
Wer während einer Pestepidemie einen solchen Zettel in der Kleidung trug oder die Zeichen über seine Haustür schrieb, lebte mit einer Bedrohung, gegen die es kaum wirksame medizinische Mittel gab.
Der Zachariassegen war deshalb mehr als eine geheimnisvolle Formel.
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